Unterrichtsreihe

Medienkompetenz in der digitalen Gesellschaft

Wie beeinflussen digitale Medien unser Denken, Fühlen, Handeln und unsere Gesellschaft? – Acht Module von der eigenen Mediennutzung bis zu Künstlicher Intelligenz.

8Module
~100Kontrollfragen insgesamt
4Word-Vorlagen zum Download
1Leitfrage der Reihe

Leitfrage der Reihe

„Wie beeinflussen digitale Medien unser Denken, Fühlen, Handeln und unsere Gesellschaft?“

Zu dieser Reihe

Digitale Medien sind aus dem Alltag von Jugendlichen nicht mehr wegzudenken – sie prägen, wie wir kommunizieren, uns informieren, konsumieren und uns selbst darstellen. Diese Unterrichtsreihe nähert sich dem Thema Schritt für Schritt: von der Reflexion der eigenen Mediennutzung über die Funktionsweise von Algorithmen und persuasiven Designs bis hin zu Desinformation, Propaganda, Datenschutz und Künstlicher Intelligenz.

Jedes Modul beginnt mit einer alltagsnahen Einstiegssituation, liefert fundierte Hintergrundinformationen mit weiterführenden Links, stellt abwechslungsreiche Arbeitsaufträge – von Medientagebuch über Erklärvideo bis Podcast und Debatte – und schließt mit einer Lernkontrolle aus 12–15 Single- und Multiple-Choice-Fragen ab.

Loslegen

Wählt links im Menü ein Modul aus, um zu starten. Jedes Modul beginnt mit einer Einstiegssituation und führt euch dann durch Informationen, Arbeitsaufträge, Quellen und eine Lernkontrolle.

Mit Modul 1: Medienwelten von Jugendlichen beginnen

Unterrichtsreihe · 1. Medienwelten von Jugendlichen

01Medienwelten von Jugendlichen

Einstiegssituation

In der Pause vergleichen Mia und Jonas aus Langeweile ihre wöchentliche Bildschirmzeit-Anzeige. Mia kommt auf über 40 Stunden, Jonas auf knapp 15. Beide sind überrascht – Mia hatte das Gefühl, „eigentlich nicht so viel" am Handy zu sein, Jonas dagegen findet, dass ihm ständig wichtige Gruppen-Chats entgehen. Die Klasse beginnt zu diskutieren: Was sagt so eine Zahl überhaupt aus – und woran erkennt man, ob die eigene Mediennutzung bewusst oder eher automatisch passiert?

Eine Gruppe von Jugendlichen steht zusammen und schaut auf ihre Smartphones.

Informationen

Unter Mediennutzung versteht man den gesamten Umgang mit Medienangeboten – vom Streamen einer Serie über das Scrollen durch Social-Media-Feeds bis zum Schreiben in Gruppenchats. Ein zentraler, aber begrenzt aussagekräftiger Indikator dafür ist die Bildschirmzeit: die Zeit, die ein Gerät aktiv genutzt wird. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob diese Zeit bewusst gewählt oder eher „nebenbei" und automatisch entstanden ist.

Die eigene Mediennutzung ist Teil einer individuellen Medienbiografie: der Geschichte, wie sich der Umgang mit Medien im Laufe des Lebens verändert hat – vom ersten Kindertablet über die ersten eigenen Social-Media-Profile bis zu den heute genutzten Streaming- und Kommunikations-Apps. Diese Biografie wird von vielen Faktoren geprägt: dem Freundeskreis, der Familie, Vorbildern, aber auch von Werbung und den Empfehlungsmechanismen der Plattformen selbst.

Digitale Medien bringen sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Zu den Chancen zählen ein einfacher Zugang zu Informationen, die Möglichkeit, trotz räumlicher Distanz mit Freund:innen in Kontakt zu bleiben, sowie neue Formen von Kreativität und Mitbestimmung. Zu den Risiken gehören unter anderem Schlafmangel durch späte Nutzung, Vergleichsdruck durch geschönte Inhalte, Cybermobbing oder ein Gefühl, „nichts verpassen zu dürfen" (FOMO – Fear of Missing Out).

Alles, was Personen im Netz über sich preisgeben – Profilbilder, Beiträge, Kommentare, Likes –, formt ihre digitale Identität: das Bild, das andere Menschen online von ihnen erhalten. Diese digitale Identität muss nicht mit dem echten Ich übereinstimmen, beeinflusst aber, wie eine Person wahrgenommen wird – von Freund:innen ebenso wie potenziell von zukünftigen Arbeitgeber:innen.

Arbeitsaufträge

  1. Führt eine Woche lang das Medientagebuch (Word-Vorlage unten). Tragt jeden Abend ein, welche Apps ihr wie lange genutzt habt, in welcher Situation und mit welchem Gefühl danach.
  2. Erstellt gemeinsam als Klasse ein Balkendiagramm zur durchschnittlichen täglichen Bildschirmzeit auf Basis eurer Ergebnisse (z. B. mit einer Tabellenkalkulation oder auf Plakatpapier).
  3. Macht in Partnerarbeit einen Online-Selbsttest „Wie digital bin ich?" (z. B. über klicksafe.de) und vergleicht anschließend eure Ergebnisse. Wo stimmt ihr überein, wo nicht?
  4. Erstellt in Kleingruppen eine Mindmap zum Begriff „digitale Identität": Was gehört alles dazu, und was würdet ihr bewusst nicht von euch zeigen?

Erwartetes Arbeitsergebnis

Ausgefülltes Medientagebuch (Word) + Klassendiagramm zur Mediennutzung

Lernkontrolle

Wählt eure Antwort(en) aus und tippt auf „Prüfen“, um direkt eine Rückmeldung zu erhalten.

Ergebnis: 0 / 13 richtig

1Was versteht man unter „Bildschirmzeit"?

2Was beschreibt der Begriff „Medienbiografie" am besten?

3Welche Aussagen zu Chancen digitaler Medien treffen zu? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

4Was bezeichnet man als „digitale Identität"?

5Welches Verhalten deutet eher auf unbewusste, automatische Mediennutzung hin?

6Welche Risiken können mit intensiver Social-Media-Nutzung verbunden sein? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

7Was ist Streaming?

8Warum kann ein Medientagebuch helfen, die eigene Mediennutzung zu reflektieren?

9Welche Faktoren beeinflussen die eigene Mediennutzung? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

10Wofür steht die Abkürzung FOMO?

11Welche Aussage trifft auf digitale Identität am ehesten zu?

12Welche Maßnahmen können zu einem bewussteren Umgang mit Bildschirmzeit beitragen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

13Warum spricht man von „Medienkompetenz" und nicht nur von „Mediennutzung"?

Unterrichtsreihe · 2. Wie soziale Medien funktionieren

02Wie soziale Medien funktionieren

Einstiegssituation

Lina und Paul folgen bei Instagram und TikTok fast denselben Personen und Themen. Trotzdem sehen ihre Feeds völlig unterschiedlich aus: Lina bekommt vor allem Fitness- und Beauty-Inhalte angezeigt, Paul fast ausschließlich Gaming- und Fußball-Clips. „Komisch", meint Lina, „wir folgen doch den gleichen Accounts – warum sehen wir dann so unterschiedliche Sachen?"

Illustration: Ein Jugendlicher sitzt in einer Filterblase aus zustimmenden Kommentaren, während außerhalb Personen mit anderen Meinungen protestieren.

Informationen

Social-Media-Feeds sind heute in der Regel nicht chronologisch, sondern algorithmisch sortiert. Ein Algorithmus ist eine automatisierte Rechenvorschrift, die aus großen Mengen an Daten – etwa Verweildauer, Likes, Kommentaren oder bisherigen Klicks – berechnet, welche Inhalte einer Person als Nächstes gezeigt werden. Ziel dieser Empfehlungsmechanismen ist es meist, Nutzer:innen möglichst lange auf der Plattform zu halten.

Dieser Vorgang wird als Personalisierung bezeichnet: Jede:r bekommt einen individuell zugeschnittenen Feed. Ein Nebeneffekt kann eine sogenannte Filterblase sein – man bekommt zunehmend nur noch Inhalte zu sehen, die den eigenen bisherigen Interessen entsprechen. Ergänzt wird dieser Effekt oft durch Echokammern: Man umgibt sich – auch durch die eigene Auswahl an Kontakten – vor allem mit Menschen, die ähnliche Meinungen teilen, wodurch abweichende Sichtweisen seltener sichtbar werden.

Hinter diesen Mechanismen steckt ein Geschäftsmodell: die Plattformökonomie. Die meisten großen sozialen Netzwerke verlangen von Nutzer:innen kein Geld – sie finanzieren sich fast ausschließlich über Werbung. Damit Werbung möglichst zielgenau ausgespielt werden kann, sammeln Plattformen umfangreiche Daten über das Verhalten ihrer Nutzer:innen: welche Inhalte angeklickt, wie lange sie angesehen und welche Themen gemieden werden.

Diese Datensammlung ist der eigentliche Grund, warum viele Apps „kostenlos" sind: Bezahlt wird nicht mit Geld, sondern mit Aufmerksamkeit und persönlichen Daten, die anschließend – meist anonymisiert – für Werbezwecke ausgewertet und verkauft werden. Ein bekannter Satz aus der Digitalwirtschaft bringt es auf den Punkt: „Wenn du für ein Produkt nicht bezahlst, bist du das Produkt."

Arbeitsaufträge

  1. Analysiert zu zweit euren eigenen Instagram- oder TikTok-Feed (achtet dabei darauf, keine privaten Inhalte zu zeigen) und tragt eure Beobachtungen in die Analyse-Tabelle unten ein.
  2. Führt das Experiment „Neuer Account" durch: Legt – falls schulisch möglich – ein neues, leeres Profil an (oder besprecht es als Gedankenexperiment) und beobachtet, wie sich der Feed nach den ersten Interaktionen verändert. Dokumentiert eure Beobachtungen schriftlich.
  3. Nehmt zu zweit einen kurzen Erklär-Podcast (2–3 Minuten Audio) auf, in dem ihr in eigenen Worten erklärt, warum die meisten Social-Media-Apps kostenlos sind.
  4. Erstellt ein Schaubild (Plakat oder digital), das den Weg von „Nutzerdaten" bis zu „Werbeeinnahmen" bei einer Plattform eurer Wahl in einzelnen Schritten zeigt.
Feed-Analyse: Meine Timeline unter der Lupe
BeobachtungNotiz
Welche drei Themen tauchen in meinem Feed am häufigsten auf?
Welche Art von Beiträgen (Video, Bild, Text) sehe ich am meisten?
Bei welchen Inhalten bleibe ich besonders lange hängen?
Welche Werbung wird mir angezeigt – passt sie zu meinen Interessen?
Sehe ich auch Inhalte, die meiner Meinung widersprechen?
Was, denke ich, weiß der Algorithmus über mich?

Erwartetes Arbeitsergebnis

Ausgefüllte Feed-Analyse-Tabelle + Erklär-Podcast + Schaubild „Von Daten zu Umsatz"

Lernkontrolle

Wählt eure Antwort(en) aus und tippt auf „Prüfen“, um direkt eine Rückmeldung zu erhalten.

Ergebnis: 0 / 13 richtig

1Was ist ein Algorithmus im Kontext sozialer Medien?

2Welche Faktoren beeinflussen typischerweise, was ein Algorithmus im Feed anzeigt? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

3Was versteht man unter einer „Filterblase"?

4Was unterscheidet eine Filterblase von einer Echokammer?

5Welche Aussagen zur Plattformökonomie treffen zu? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

6Warum sind viele Social-Media-Apps „kostenlos"?

7Was bedeutet Personalisierung im Feed?

8Welche Folgen kann eine Filterblase haben? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

9Welches Geschäftsmodell nutzen die meisten großen sozialen Plattformen?

10Was passiert beim Experiment „Neuer Account" typischerweise?

11Welche Daten können Plattformen zur Personalisierung nutzen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

12Wonach wählen Empfehlungsmechanismen bevorzugt Inhalte aus?

13Warum ist Kritik an Algorithmen aus demokratischer Sicht wichtig?

Unterrichtsreihe · 3. Aufmerksamkeitsökonomie und persuasive Designs

03Aufmerksamkeitsökonomie und persuasive Designs

Einstiegssituation

„Ich schau nur kurz was auf TikTok", denkt Ben, als er sich abends ins Bett legt. Als er das nächste Mal auf die Uhr schaut, ist eine Stunde vergangen. Er kann sich nicht erinnern, bewusst „weiterscrollen" entschieden zu haben – es ist einfach passiert. Am nächsten Tag erzählt er das seiner Klasse, und viele nicken: Das kennen sie auch. Aber warum eigentlich?

Ein Jugendlicher liegt spät nachts im Bett und schaut auf sein leuchtendes Smartphone, im Hintergrund zeigt ein Wecker 00:48 Uhr.

Informationen

In der sogenannten Aufmerksamkeitsökonomie ist die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen die eigentlich knappe und wertvolle Ressource, um die Plattformen konkurrieren – nicht Geld im klassischen Sinn. Je länger Menschen auf einer App verweilen, desto mehr Werbung kann ausgespielt und desto mehr Umsatz erzielt werden. Deshalb sind viele Apps gezielt so gestaltet, dass sie möglichst viel Aufmerksamkeit binden.

Ein zentrales Werkzeug dafür ist der Infinite Scroll: Es gibt kein natürliches Ende der Seite, an dem man innehalten müsste – der nächste Inhalt lädt automatisch nach. Ergänzt wird das durch Autoplay-Funktionen, Push-Benachrichtigungen, die zur Rückkehr in die App auffordern, sowie Belohnungssysteme wie Likes, Kommentare oder „Streaks" (z. B. tägliche Serien bei Snapchat). Diese Elemente lösen im Gehirn kleine Dopamin-Ausschüttungen aus – ein Belohnungsgefühl, das die Gewohnheitsbildung verstärkt und dazu führt, dass man immer wieder zur App zurückkehrt.

Gestaltungselemente, die Nutzer:innen bewusst zu einem bestimmten Verhalten lenken, ohne dass dies immer auffällt, nennt man Nudging (leichtes „Anstupsen"). Wird dieses Prinzip missbräuchlich eingesetzt, um Nutzer:innen gezielt zu täuschen oder unter Druck zu setzen, spricht man von Dark Patterns – etwa ein absichtlich schwer auffindbarer „Abbestellen"-Button oder ein vorausgewähltes Häkchen bei kostenpflichtigen Zusatzoptionen.

Auch Gamification – also spieltypische Elemente wie Punkte, Level oder Fortschrittsbalken in Nicht-Spiel-Kontexten – wird gezielt eingesetzt, um Nutzungszeiten zu erhöhen. All diese Mechanismen erklären, warum Menschen häufig länger auf Plattformen verbringen, als sie ursprünglich geplant hatten: Das Design ist selten neutral, sondern bewusst auf Bindung ausgelegt.

Arbeitsaufträge

  1. Analysiert eine App eurer Wahl gezielt auf manipulative Gestaltungselemente (Infinite Scroll, Autoplay, Push-Benachrichtigungen, Likes, Streaks) und haltet eure Beobachtungen in einer strukturierten schriftlichen Analyse fest.
  2. Recherchiert den Begriff „Dark Pattern" und sammelt drei Beispiele aus Apps, die ihr selbst nutzt (Screenshot oder genaue Beschreibung).
  3. Erklärt den Zusammenhang zwischen Dopamin und Gewohnheitsbildung an einem selbst gewählten Beispiel – als kurzer Erklärtext oder als Comic (maximal 6 Panels).
  4. Diskutiert in Kleingruppen: Welche Designelemente findet ihr grenzwertig, welche noch vertretbar? Haltet eure gemeinsame Position in einem kurzen schriftlichen Statement fest.

Erwartetes Arbeitsergebnis

Schriftliche App-Analyse zu manipulativen Designelementen + Dark-Pattern-Sammlung + Comic/Erklärtext zu Dopamin

Lernkontrolle

Wählt eure Antwort(en) aus und tippt auf „Prüfen“, um direkt eine Rückmeldung zu erhalten.

Ergebnis: 0 / 13 richtig

1Was bedeutet „Aufmerksamkeitsökonomie"?

2Was ist „Infinite Scroll"?

3Welche der folgenden zählen zu typischen persuasiven Designelementen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

4Was ist ein „Dark Pattern"?

5Welche Beispiele zählen zu Dark Patterns? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

6Was versteht man unter „Nudging"?

7Welche Rolle spielt Dopamin bei der Nutzung von Social Media?

8Welche Elemente nutzen Gamification, um Nutzer:innen zu binden? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

9Warum verbringen Menschen oft mehr Zeit auf Plattformen als ursprünglich geplant?

10Push-Benachrichtigungen sind in der Regel darauf ausgelegt, ...

11Welche Gegenstrategien können helfen, bewusster mit persuasiven Designs umzugehen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

12Warum handelt es sich bei „Streaks" (z. B. bei Snapchat) um ein Belohnungssystem?

13Was unterscheidet bewusste von unbewusster Mediennutzung im Kontext persuasiver Designs?

Unterrichtsreihe · 4. Influencer, virales Marketing und Affiliate-Marketing

04Influencer, virales Marketing und Affiliate-Marketing

Einstiegssituation

Emmas Lieblings-Influencerin zeigt in ihrer Story eine neue Trinkflasche: „Ich liebe die einfach, benutze sie jeden Tag!" Emma bestellt sie sich noch am selben Abend über den verlinkten Rabattcode. Erst später fällt ihrer Freundin auf: Unter dem Video steht klein „Werbung". War das jetzt eine ehrliche Empfehlung – oder Werbung, die wie eine Empfehlung aussieht?

Comic-artige Werbeanzeige eines Fitness-Influencers, der ein Nahrungsergänzungsmittel bewirbt.

Informationen

Influencer-Marketing bezeichnet Werbung, bei der Unternehmen mit Personen zusammenarbeiten, die auf Social-Media-Plattformen eine treue Gefolgschaft (Community) aufgebaut haben. Werbeformen können dabei sehr unterschiedlich aussehen: klassische Sponsoring-Kooperationen, in denen ein Produkt gezeigt wird, unauffälliges Product Placement, bei dem ein Produkt einfach „nebenbei" im Video zu sehen ist, oder Affiliate-Marketing – dabei erhalten Influencer:innen eine Provision, wenn über einen personalisierten Link oder Rabattcode eingekauft wird.

Besonders wirksam ist Influencer-Marketing, weil zwischen Followern und Influencer:innen häufig eine sogenannte parasoziale Beziehung entsteht: ein einseitiges, aber gefühlt persönliches Näheverhältnis, das durch regelmäßige, scheinbar authentische Einblicke ins Leben der Influencer:innen entsteht. Empfehlungen wirken dadurch glaubwürdiger und persönlicher als klassische Werbung – was sie für Unternehmen besonders attraktiv macht.

Neben großen Influencer:innen mit Millionen Follower:innen gewinnen sogenannte Mikroinfluencer an Bedeutung: Personen mit kleinerer, aber oft sehr themenfokussierter und eng verbundener Community, deren Empfehlungen als besonders vertrauenswürdig gelten. Gemeinsam mit weiteren Rollen wie Videoschnitt, Management oder Merchandise bilden diese Akteur:innen die sogenannte Creator Economy – einen eigenständigen Wirtschaftszweig rund um selbstständige Content-Ersteller:innen.

In Deutschland gilt eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht: Werbung muss klar als „Werbung" oder „Anzeige" erkennbar gemacht werden, um sie von redaktionellem oder privatem Inhalt zu trennen. Fehlt diese Kennzeichnung, spricht man von Schleichwerbung, die rechtliche Konsequenzen wie Abmahnungen nach sich ziehen kann. Für Konsument:innen bleibt es dennoch wichtig, Beiträge kritisch zu hinterfragen: Welche Interessen könnten hinter einer Empfehlung stecken?

Ob eine Empfehlung glaubwürdig ist, lässt sich anhand mehrerer Kriterien einschätzen: Verfügt die Person über eine nachweisbare Fachkenntnis zum beworbenen Thema, oder wird lediglich Bekanntheit als Kompetenz verkauft? Werden neben Vorteilen auch Nachteile, Risiken oder Grenzen des Produkts genannt, oder klingt die Darstellung durchgehend einseitig positiv? Ist ein finanzielles Interesse transparent gemacht, und wechseln die beworbenen Marken auffällig häufig, teils sogar zwischen konkurrierenden Anbietern? Lassen sich die Aussagen auch über unabhängige Quellen (z. B. Fachtests, Verbraucherportale) bestätigen? Wer diese Fragen stellt, kann eine Empfehlung deutlich besser einordnen als jemand, der sich allein auf Sympathie oder Reichweite verlässt.

Arbeitsaufträge

  1. Analysiert ein Influencer-Profil eurer Wahl und erstellt dazu einen Steckbrief (Plakat) mit geschätzter Reichweite, Content-Art, erkennbaren Werbeformen und vermuteter Zielgruppe.
  2. Führt für drei Empfehlungen oder Bewertungen dieses Profils einen Glaubwürdigkeits-Check durch: Verfügt die Person über nachweisbare Fachkenntnis zum Thema? Werden auch Nachteile oder Risiken erwähnt? Ist ein finanzielles Interesse erkennbar? Haltet eure Einschätzung mit Begründung schriftlich fest.
  3. Vergleicht eine Produktempfehlung des Influencers mit einer unabhängigen Quelle (z. B. Stiftung Warentest, ein Fachmagazin oder ein neutraler Testbericht). Wo weichen die Einschätzungen voneinander ab, und was könnte diesen Unterschied erklären?
  4. Erklärt den Begriff „parasoziale Beziehung" und diskutiert in Kleingruppen: Warum fällt es schwer, eine vertraut wirkende Person kritisch zu hinterfragen? Sammelt gemeinsam eine Liste konkreter Warnsignale („Red Flags"), die auf eine wenig glaubwürdige Empfehlung hindeuten.

Erwartetes Arbeitsergebnis

Influencer-Steckbrief (Plakat) + schriftlicher Glaubwürdigkeits-Check zu drei Empfehlungen + Quellenvergleich + Red-Flag-Liste

Lernkontrolle

Wählt eure Antwort(en) aus und tippt auf „Prüfen“, um direkt eine Rückmeldung zu erhalten.

Ergebnis: 0 / 15 richtig

1Was ist Influencer-Marketing?

2Was bedeutet Affiliate-Marketing?

3Welche Werbeformen können in Social-Media-Beiträgen vorkommen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

4Was versteht man unter „Product Placement"?

5Was ist eine „parasoziale Beziehung"?

6Warum sind parasoziale Beziehungen für Werbetreibende interessant? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

7Was sind Mikroinfluencer?

8Warum müssen Werbeinhalte in Deutschland als „Werbung" oder „Anzeige" gekennzeichnet werden?

9Welche Merkmale können auf einen nicht gekennzeichneten Werbepost hindeuten? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

10Was beschreibt der Begriff „Creator Economy"?

11Was ist ein typisches Merkmal von viralen Inhalten?

12Welche Konsequenzen kann fehlende Werbekennzeichnung für Influencer:innen haben? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

13Warum ist kritische Reflexion bei Kaufentscheidungen aufgrund von Influencer-Empfehlungen wichtig?

14Welche Kriterien helfen dabei, die Glaubwürdigkeit einer Influencer-Empfehlung einzuschätzen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

15Warum kann eine parasoziale Beziehung die kritische Bewertung von Empfehlungen erschweren?

Unterrichtsreihe · 5. Fake News, Desinformation und Fact-Checking

05Fake News, Desinformation und Fact-Checking

Einstiegssituation

In der Familien-WhatsApp-Gruppe teilt Tante Renate eine schockierende Nachricht mit reißerischer Überschrift: eine angebliche neue Gefahr, vor der „die Medien nicht berichten wollen". Innerhalb weniger Minuten diskutiert die ganze Familie aufgeregt mit. Am nächsten Tag stellt sich heraus: Die Meldung ist frei erfunden und stammt von einer Seite ohne erkennbares Impressum. Wie hätte man das früher erkennen können?

Zeitungsausschnitt mit der Schlagzeile 'Wenn aus Fake News plötzlich Fakten werden'.

Informationen

Als Fake News bezeichnet man bewusst erfundene oder stark verfälschte Nachrichten, die als echte Berichterstattung ausgegeben werden. Ein verwandtes Phänomen ist Clickbait: reißerische, oft übertriebene Überschriften, die vor allem darauf abzielen, Klicks zu erzeugen – häufig, ohne dass der eigentliche Inhalt die Ankündigung erfüllt. Beide Formen nutzen aus, dass emotionale und überraschende Inhalte sich im Netz besonders schnell verbreiten – oft schneller als spätere Richtigstellungen.

Eine besondere technische Herausforderung stellen Deepfakes dar: mithilfe Künstlicher Intelligenz erzeugte, täuschend echt wirkende Bild-, Audio- oder Videoinhalte, in denen Personen Dinge sagen oder tun, die real nie stattgefunden haben. Damit wird es zunehmend schwieriger, zwischen echten und manipulierten Inhalten zu unterscheiden – klassische Prüfmethoden wie die umgekehrte Bildersuche stoßen hier an Grenzen.

Ein psychologischer Effekt begünstigt die Verbreitung von Desinformation zusätzlich: der Confirmation Bias (Bestätigungsfehler). Menschen neigen dazu, bevorzugt Informationen wahrzunehmen und zu teilen, die die eigene Meinung bestätigen – während widersprechende Fakten eher ignoriert oder abgewertet werden. Dieser Effekt kann auch die Entstehung von Verschwörungserzählungen begünstigen: vermeintliche Erklärungen für Ereignisse, die geheime, oft nicht belegbare Absichten mächtiger Gruppen unterstellen.

Um Informationen verlässlich zu bewerten, hilft ein systematisches Vorgehen: die Quelle prüfen (Impressum, Autor:in, Datum), Bild- oder Videomaterial mit einer umgekehrten Bildersuche auf seinen ursprünglichen Kontext hin überprüfen und mehrere unabhängige Primärquellen vergleichen. Diese Fähigkeit, Informationen selbstständig kritisch einzuordnen, wird als Quellenkritik bezeichnet und ist ein zentraler Baustein der Medienkompetenz.

Auch sogenannte Faktencheck-Angebote greifen häufig auf diese Methoden zurück – sie sind jedoch selbst keine neutrale, unfehlbare Instanz. Auch Menschen, die Faktenchecks erstellen, arbeiten mit eigenen Annahmen, Auswahlkriterien und Einordnungen und können sich irren oder eigene Interessen verfolgen; in der Vergangenheit gerieten verschiedene Faktencheck-Anbieter selbst wegen fragwürdiger oder falscher Einordnungen in die Kritik. Wer sich ausschließlich auf das Urteil eines einzelnen Faktencheck-Angebots verlässt, ersetzt damit lediglich eine Quelle durch eine andere, ohne wirklich selbst geprüft zu haben. Entscheidend bleibt daher die eigene, nachvollziehbare Prüfung anhand mehrerer unabhängiger Quellen – nicht das pauschale Vertrauen in ein einzelnes Prüfsiegel oder einen als „Faktencheck" bezeichneten Beitrag.

Arbeitsaufträge

  1. Bearbeitet die Faktencheck-Werkstatt: Prüft mithilfe des Faktencheck-Dossiers (Word-Vorlage unten) vier vorgegebene oder selbst gefundene Behauptungen eigenständig anhand mehrerer unabhängiger Primärquellen – ohne euch dabei auf einen einzelnen Faktencheck-Anbieter zu verlassen.
  2. Sucht ein reales Beispiel für Clickbait und stellt Überschrift und tatsächlichen Inhalt gegenüber. Was wurde übertrieben oder ausgelassen?
  3. Erklärt den Begriff „Confirmation Bias" an einem selbst gewählten Beispiel – als kurzer Erklärtext oder als Sketchnote.
  4. Sucht einen Faktencheck-Beitrag eines beliebigen Anbieters zu einem aktuellen Thema und analysiert ihn kritisch: Welche Quellen nutzt der Beitrag selbst, und werden diese offengelegt? Macht der Beitrag seine eigenen Prüfkriterien transparent? Könnten Personen mit einer anderen Perspektive zu einer anderen Einschätzung kommen? Diskutiert abschließend: Kann ein Faktencheck eine Aussage jemals endgültig „beweisen" oder „widerlegen" – oder bleibt dabei immer ein Stück Auslegung und Bewertung übrig? Haltet eure Diskussionsergebnisse schriftlich fest.
  5. Erstellt in Gruppenarbeit ein kurzes Erklärvideo (maximal 90 Sekunden) zum Thema „5 Schritte, um Falschmeldungen selbst zu prüfen".

Erwartetes Arbeitsergebnis

Ausgefülltes Faktencheck-Dossier (Word) + schriftliche Analyse eines Faktencheck-Beitrags + kurzes Erklärvideo „5 Schritte, um Falschmeldungen selbst zu prüfen"

Lernkontrolle

Wählt eure Antwort(en) aus und tippt auf „Prüfen“, um direkt eine Rückmeldung zu erhalten.

Ergebnis: 0 / 13 richtig

1Was sind „Fake News"?

2Was ist „Clickbait"?

3Welche Merkmale sind typisch für Clickbait-Überschriften? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

4Was ist ein Deepfake?

5Was bezeichnet „Confirmation Bias" (Bestätigungsfehler)?

6Welche Schritte gehören zu einem sorgfältigen Faktencheck? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

7Warum verbreiten sich Falschmeldungen oft schneller als spätere Richtigstellungen?

8Welche Merkmale können auf eine unseriöse Quelle hindeuten? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

9Was ist eine Verschwörungserzählung?

10Was ist beim Faktencheck eines Bildes eine sinnvolle erste Maßnahme?

11Welche Faktoren begünstigen den Confirmation Bias? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

12Warum sind Deepfakes eine besondere Herausforderung für die Quellenkritik?

13Warum sollte man auch Faktencheck-Angebote nicht unreflektiert als endgültige Wahrheitsinstanz betrachten?

Unterrichtsreihe · 6. Propaganda und Manipulation im Netz

06Propaganda und Manipulation im Netz

Einstiegssituation

Kurz vor einer Wahl kursieren im Netz völlig widersprüchliche Berichte über denselben Politiker: Die eine Seite feiert ihn als Retter, die andere stellt ihn als Bedrohung dar – beide berufen sich scheinbar auf dieselben Fakten. Auffällig viele Kommentare unter den Beiträgen klingen fast identisch formuliert. Die Klasse fragt sich: Wer steckt eigentlich hinter solchen Kampagnen – und mit welchen Mitteln arbeiten sie?

Comic-Illustration 'Manipulation im Netz': Eine Figur zieht als Marionettenspieler die Fäden eines Jugendlichen am Smartphone.

Informationen

Auch im digitalen Raum werden klassische Propagandatechniken eingesetzt: die wiederholte Behauptung einfacher Botschaften, das Erzeugen von Feindbildern oder eine gezielt emotionale Zuspitzung, die kaum Raum für differenzierte Sichtweisen lässt. Ein wichtiges Werkzeug dabei ist Framing: Durch die gewählten Worte, Bilder oder die Reihenfolge von Informationen wird ein Thema in einen bestimmten Deutungsrahmen gerückt – ohne dass dabei zwingend falsche Fakten genannt werden müssen.

Eng damit verbunden ist Agenda Setting: die Macht von Medien und Akteur:innen, durch die Auswahl der behandelten Themen zu beeinflussen, worüber die Öffentlichkeit überhaupt nachdenkt. Wer bestimmt, welche Themen sichtbar werden, hat großen Einfluss auf die öffentliche Debatte – auch wenn kein einziges Wort inhaltlich manipuliert wird.

Im digitalen Raum kommen technische Manipulationsformen hinzu: Social Bots sind automatisierte Accounts, die menschliches Verhalten simulieren, um Themen künstlich zu verstärken oder Stimmungen vorzutäuschen. Astroturfing bezeichnet das gezielte Erzeugen des Anscheins einer breiten, „von unten" kommenden Bürgerbewegung, die in Wirklichkeit von wenigen, oft finanzstarken Akteur:innen gesteuert wird.

Politische Einflusskampagnen nutzen zudem häufig Mikro-Targeting: personalisierte politische Werbung, die auf Basis gesammelter Nutzerdaten sehr genau auf einzelne Zielgruppen zugeschnitten wird. Problematisch wird dies vor allem dann, wenn unterschiedliche Zielgruppen widersprüchliche Botschaften erhalten, ohne dass dies für Außenstehende erkennbar oder überprüfbar ist – das erschwert eine gemeinsame, transparente öffentliche Debatte und kann Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben.

Arbeitsaufträge

  1. Analysiert ein Beispiel für Wahlwerbung (Plakat, Video oder Social-Media-Post) hinsichtlich eingesetzter Propagandatechniken und tragt eure Ergebnisse in das Analyseraster unten ein.
  2. Vergleicht zwei unterschiedliche Medienberichte zum gleichen Ereignis: Welche Wortwahl, Bilder oder Auslassungen erzeugen ein unterschiedliches Framing?
  3. Recherchiert die Begriffe „Social Bot" und „Astroturfing" und erstellt gemeinsam je eine kurze, präzise Definitionskarte.
  4. Wählt aus der Wikipedia-Übersicht „Techniken der Propaganda und Manipulation" (Link unten) mindestens vier Techniken aus, beschreibt sie in eigenen Worten und erläutert jede davon jeweils an einem konkreten Beispiel aus der Politik und einem Beispiel aus der Werbung.
  5. Führt eine kurze Pro-Contra-Debatte durch: Sollte Mikro-Targeting in der politischen Werbung verboten oder stärker reguliert werden? Sammelt Argumente für beide Seiten.
Analyseraster: Wahlwerbung unter der Lupe
AnalysepunktBeobachtung
Welche Emotionen sollen ausgelöst werden?
Werden Feindbilder oder klare Gegner erzeugt?
Welche Wörter oder Bilder fallen besonders auf (Framing)?
Wird eine einfache Lösung für ein komplexes Problem versprochen?
Welche Fakten fehlen möglicherweise oder werden ausgelassen?
Wirkt der Beitrag auf mich glaubwürdig? Warum (nicht)?

Erwartetes Arbeitsergebnis

Ausgefülltes Analyseraster zu Wahlwerbung (Tabelle) + Framing-Vergleich + Technikensammlung mit Beispielen aus Politik und Werbung + Pro-Contra-Debatte zu Mikro-Targeting

Lernkontrolle

Wählt eure Antwort(en) aus und tippt auf „Prüfen“, um direkt eine Rückmeldung zu erhalten.

Ergebnis: 0 / 13 richtig

1Was versteht man unter „Framing"?

2Was bedeutet „Agenda Setting"?

3Welche klassischen Propagandatechniken lassen sich auch heute im Netz beobachten? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

4Was ist ein „Social Bot"?

5Was versteht man unter „Astroturfing"?

6Welche Ziele können politische Einflusskampagnen im Netz verfolgen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

7Was ist „Mikro-Targeting"?

8Warum ist Mikro-Targeting in der politischen Werbung umstritten?

9Welche sprachlichen Mittel können Framing erzeugen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

10Was unterscheidet Propaganda grundsätzlich von sachlicher Information?

11Woran kann man einen möglichen Social Bot in sozialen Netzwerken erkennen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

12Warum wird Agenda Setting als Machtfaktor von Medien beschrieben?

13Welche demokratiepolitische Gefahr geht von unkontrollierter Desinformation aus?

Unterrichtsreihe · 7. Datenschutz, Datenökonomie und digitale Sicherheit

07Datenschutz, Datenökonomie und digitale Sicherheit

Einstiegssituation

Kurz nachdem Tim mit einem Freund über einen bevorstehenden Urlaub gesprochen hat, wird ihm in mehreren Apps plötzlich Werbung für genau dieses Reiseziel angezeigt. „Hört mein Handy mich etwa ab?", fragt er sich beunruhigt. Die Erklärung ist meist unspektakulärer – aber nicht weniger nachdenkenswert: Wie viel wissen Unternehmen eigentlich schon über uns, ganz ohne Mikrofon?

Eine Person mit Kapuzenpullover sitzt vor mehreren Bildschirmen mit Code und der Anzeige 'Server Breach'.

Informationen

In der EU regelt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), wie Unternehmen personenbezogene Daten erheben, speichern und verarbeiten dürfen. Sie gibt Nutzer:innen konkrete Rechte, etwa das Recht auf Auskunft (welche Daten über mich gespeichert sind), das Recht auf Löschung sowie das Recht, der Verarbeitung bestimmter Daten zu widersprechen.

Bei fast jeder Online-Aktivität hinterlassen Nutzer:innen digitale Spuren: Suchanfragen, besuchte Webseiten, Standortdaten oder Kaufverhalten. Ein zentrales Werkzeug dafür sind Cookies – kleine Textdateien, die im Browser gespeichert werden und Webseiten wiedererkennbar machen. Werden diese Daten genutzt, um das Verhalten von Nutzer:innen über mehrere Webseiten hinweg nachzuverfolgen, spricht man von Tracking. Wer bei Cookie-Bannern unüberlegt „Alle akzeptieren" klickt, erlaubt damit oft weitreichendes Tracking, ohne es zu merken.

Neben dem Schutz der eigenen Daten spielt auch aktive digitale Sicherheit eine wichtige Rolle. Beim sogenannten Phishing versuchen Angreifer:innen über gefälschte Nachrichten oder Webseiten, an Passwörter oder andere sensible Daten zu gelangen – häufig durch künstlichen Zeitdruck und verdächtige Links. Diese Methode ist ein Beispiel für Social Engineering: die psychologische Manipulation von Menschen, um sie zur Preisgabe vertraulicher Informationen zu bewegen.

Wichtige Schutzmaßnahmen sind sichere, für jeden Account einzigartige Passwörter, im Idealfall unterstützt durch einen Passwortmanager, sowie die Zwei-Faktor-Authentifizierung, bei der zusätzlich zum Passwort ein zweiter Nachweis (z. B. ein Code per App) verlangt wird. Werden persönliche Daten missbraucht, um sich als eine andere Person auszugeben, spricht man von Identitätsdiebstahl – ein Risiko, dem durch bewussten Umgang mit den eigenen Daten vorgebeugt werden kann.

Arbeitsaufträge

  1. Bearbeitet ehrlich den persönlichen Datenschutz-Check (Word-Vorlage unten) und leitet daraus drei konkrete nächste Schritte für euch persönlich ab.
  2. Erklärt in eigenen Worten, was die DSGVO grundlegend regelt, und nennt zwei eurer Rechte als Nutzer:innen (schriftliche Kurzantwort).
  3. Untersucht die Cookie-Bannerauswahl auf einer Webseite eurer Wahl: Wie leicht oder schwer ist es, alle Cookies abzulehnen? Dokumentiert eure Beobachtung mit Screenshots oder einer genauen Beschreibung.
  4. Erstellt ein Warnplakat, das typische Merkmale einer Phishing-Nachricht zeigt und erklärt, wie man sich schützen kann.

Erwartetes Arbeitsergebnis

Ausgefüllter Datenschutz-Check (Word) + Phishing-Warnplakat

Lernkontrolle

Wählt eure Antwort(en) aus und tippt auf „Prüfen“, um direkt eine Rückmeldung zu erhalten.

Ergebnis: 0 / 13 richtig

1Wofür steht die Abkürzung DSGVO?

2Was versteht man unter „digitalen Spuren"?

3Welche Rechte haben Nutzer:innen laut DSGVO gegenüber Unternehmen? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

4Was ist ein Cookie im Internetkontext?

5Was versteht man unter „Tracking"?

6Welche Merkmale können auf eine Phishing-Nachricht hindeuten? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

7Was ist „Social Engineering"?

8Was macht ein Passwort sicher?

9Welche Maßnahmen erhöhen die Kontosicherheit? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

10Was ist Identitätsdiebstahl?

11Warum sollte man nicht unüberlegt „Alle Cookies akzeptieren" klicken?

12Wofür kann Datensicherheit im Alltag wichtig sein? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

13Was sollte man tun, wenn man eine verdächtige Nachricht mit Link erhält, die man nicht eindeutig zuordnen kann?

Unterrichtsreihe · 8. Künstliche Intelligenz zwischen Chance und Risiko

08Künstliche Intelligenz zwischen Chance und Risiko

Einstiegssituation

Für ihre Hausaufgabe fragt Sophie einen KI-Chatbot nach einem historischen Ereignis. Die Antwort klingt flüssig, detailliert und absolut überzeugend – bis ihre Lehrerin anmerkt, dass eine zentrale Jahreszahl schlicht falsch ist. „Aber es klang doch so sicher!", wundert sich Sophie. Wie kann eine KI etwas Falsches so überzeugend klingend präsentieren?

Illustration eines majestätischen Roboter-Herrschers in einer futuristischen Stadt, umgeben von einer jubelnden Menschenmenge.

Informationen

Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet Computersysteme, die Aufgaben übernehmen, für die normalerweise menschliche Intelligenz nötig wäre – etwa Sprache verstehen, Muster erkennen oder Entscheidungen treffen. Eine besondere Form ist generative KI: Systeme, die selbstständig neue Inhalte erzeugen können, etwa Texte durch Chatbots, Bilder durch Bildgeneratoren oder Musik und Programmcode.

Große Sprachmodelle (LLMs), auf denen viele Chatbots basieren, generieren ihre Antworten auf Grundlage statistischer Wahrscheinlichkeiten aus riesigen Mengen an Trainingstexten – sie „verstehen" Inhalte nicht im menschlichen Sinn, sondern berechnen, welches Wort mit hoher Wahrscheinlichkeit als Nächstes folgt. Das erklärt auch, warum Chatbots gelegentlich halluzinieren: Sie erzeugen dabei überzeugend klingende, aber inhaltlich falsche oder erfundene Aussagen, ohne dies selbst zu erkennen.

KI bietet erhebliche Chancen, etwa individuelle Lernunterstützung und schnelles Feedback im Bildungsbereich, neue kreative Werkzeuge, Fortschritte in der medizinischen Diagnostik oder Unterstützung bei wissenschaftlicher Forschung. Gleichzeitig bestehen ernstzunehmende Risiken: Halluzinationen und die Verbreitung von Falschinformationen, ein möglicher Bias – also systematische Verzerrungen, die aus den Trainingsdaten übernommen werden und bestimmte Gruppen benachteiligen können –, Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt sowie der Missbrauch für Deepfakes.

Diese Entwicklungen werfen wichtige Fragen der KI-Ethik auf: Wie kann KI verantwortungsvoll eingesetzt werden? Wem gehören urheberrechtlich geschützte Werke, mit denen KI-Systeme trainiert wurden – und wem gehören von KI erzeugte Inhalte? Ein zentraler Grundsatz ist Transparenz: offenzulegen, wenn Inhalte mit Unterstützung von KI entstanden sind, sowie KI-Antworten grundsätzlich kritisch zu prüfen, statt sie unreflektiert zu übernehmen.

Wie gut eine KI-Antwort zum gewünschten Ergebnis passt, hängt stark davon ab, wie genau eine Anfrage – ein sogenannter Prompt – formuliert ist. Diese Fähigkeit, Anfragen gezielt zu formulieren und bei Bedarf anzupassen, wird als Prompt Engineering bezeichnet. Vage oder unvollständige Prompts führen häufig zu Antworten, die zwar plausibel klingen, aber wichtige Vorgaben – etwa zu Länge, Form, Inhalt oder bestimmten Ausschlüssen – nicht exakt erfüllen. Erst durch präzise Formulierungen, konkrete Beispiele und das wiederholte Prüfen und Anpassen des Prompts lässt sich das gewünschte Ergebnis zuverlässig erzielen.

Arbeitsaufträge

  1. Testet mindestens drei der folgenden Prompt-Herausforderungen bei einem KI-Chatbot eurer Wahl. Prüft nach jeder Antwort genau, ob wirklich alle Vorgaben eingehalten wurden, und passt euren Prompt so lange an, bis das Ergebnis wirklich passt. Dokumentiert im Prompt-Protokoll (Word-Vorlage unten), wie viele Versuche ihr gebraucht habt und was ihr am Prompt jeweils verändert habt:
    • Fasst einen selbst gewählten Text in genau drei Sätzen zusammen, wobei kein Satz mit demselben Wort beginnt und ausschließlich Fakten, keine Meinungen enthalten sind.
    • Lasst eine Kurzgeschichte mit genau 100 Wörtern schreiben, in der die Wörter „und" und „aber" nicht vorkommen dürfen.
    • Lasst einen mathematischen oder naturwissenschaftlichen Sachverhalt eurer Wahl so erklären, dass ihn ein Grundschulkind versteht – ohne Fachbegriffe und in maximal 50 Wörtern.
    • Lasst einen Wochenplan erstellen, der eine von euch vorgegebene Bedingung exakt erfüllt (z. B. eine feste Kalorienzahl pro Tag) und dabei zwingend in Tabellenform ausgegeben wird.
  2. Vergleicht in der Klasse eure Erfahrungen aus der Prompt-Challenge: Welche Formulierungen haben die Ergebnisse spürbar verbessert (z. B. genaue Zahlen- oder Formatvorgaben, konkrete Beispiele, Ausschlüsse)? Haltet gemeinsam vier bis fünf Grundregeln für wirksames Prompten fest.
  3. Recherchiert, welche Berufsfelder oder Tätigkeiten laut aktuellen Studien oder Berichten besonders stark durch generative KI verändert werden könnten. Erstellt eine Übersicht (Tabelle oder Mindmap) mit Beruf bzw. Tätigkeit, erwarteter Veränderung (Wegfall, Wandel, neue Aufgaben) und kurzer Begründung.
  4. Diskutiert die These „KI vergrößert soziale Ungleichheit, weil vor allem Menschen mit guten KI-Kenntnissen und Zugang zu guten KI-Werkzeugen profitieren". Sammelt Pro- und Contra-Argumente und haltet eure Position zu möglichen Auswirkungen von KI auf Arbeitswelt und Einkommensverteilung in einem kurzen schriftlichen Positionspapier fest.

Erwartetes Arbeitsergebnis

Ausgefülltes Prompt-Protokoll (Word) mit dokumentierten Prompt-Optimierungen + gemeinsame Prompting-Grundregeln + Übersicht „Berufe im Wandel durch KI" + Positionspapier zu KI und Einkommensverteilung

Lernkontrolle

Wählt eure Antwort(en) aus und tippt auf „Prüfen“, um direkt eine Rückmeldung zu erhalten.

Ergebnis: 0 / 15 richtig

1Was versteht man allgemein unter Künstlicher Intelligenz (KI)?

2Was ist „generative KI"?

3Welche Beispiele zählen zu generativer KI? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

4Was bedeutet es, wenn ein KI-Chatbot „halluziniert"?

5Was ist ein „Bias" in Bezug auf KI-Systeme?

6Welche Chancen kann KI im Bildungsbereich bieten? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

7Welche Risiken sind mit KI verbunden? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

8Auf welcher Grundlage generieren große Sprachmodelle (LLMs) ihre Antworten?

9Warum sollte man KI-Antworten grundsätzlich kritisch prüfen?

10Welche urheberrechtlichen Fragen wirft generative KI auf? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)

11Was bedeutet Transparenz im Umgang mit KI in diesem Kontext?

12Welches Beispiel zeigt ein KI-Risiko im Bereich Deepfakes am ehesten?

13Warum ist „KI-Ethik" ein wichtiges Thema?

14Was versteht man unter „Prompt Engineering"?

15Welche Aussagen zu den möglichen Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt sind zutreffend? (Mehrfachauswahl) (Mehrfachauswahl möglich)